KiWI-Treff 2013

KiWI im November 2013

                                                                                                                                                                  Der besondere Film: „The Lady with the Little Dog“ von Julij Koltun

                                                                                                                                                Literaturverfilmungen sind ein schwieriges Unternehmen. Wie kann man ein episches Werk mit seinen beschreibenden Passagen und ausschweifenden Charakterzeichnungen in Bild und Ton umsetzen? Manchmal gelingt es, manchmal geht´s voll daneben. Einige Filmemacher versuchen sich so dicht wie möglich an der Buchvorlage zu orientieren, andere gehen völlig frei mit den Motiven um, so dass man kaum noch das literarische Original erkennen kann.

                                                                                                                                                                „The Lady with the Little Dog“ (Die Dame mit dem Hündchen, 2009 ) geht hier einen ganz eigenen Weg:

                                                                                                                                                                     Die gleichnamige Erzählung des russischen Dramatikers und Novellisten Anton Tschechow (1860 – 1904) beschreibt die Beziehung eines Mannes und einer Frau, die sich im ausgehenden 19. Jahrhundert in der russischen Provinz kennenlernen. Diese Begegnung bringt für beide Menschen – jeweils ehelich gebunden – zwar eine Abkehr von ihrem bisher eher trüben und freudlosen Dasein, führt sie aber auch in eine ungewisse Zukunft.

                                                                                                                                                                  Was macht Regisseur Julij Koltun daraus?

                                                                                                                                                                     Im Gegensatz zu früheren Adaptionen experimentiert er mit ungewöhnlichen filmsprachlichen Mitteln – mit dem Fotofilm. Keine laufenden Bilder und keine Bewegung der Akteure, keine Kameraschwenks oder -fahrten, sondern ausdrucksstarke Einzelbilder, mal in schneller, mal in langsamer Folge, verknüpft, begleitet und untermalt von der Stimme des Erzählers. Ferner transponiert er das Geschehen in unsere Tage und unsere Region….genial gemacht.

                                                                                                                                                                 Julij Koltun wird am KiWI-Treff teilnehmen und steht uns nach dem Film für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Mit dabei ist auch die Produzentin Linda Matern, die uns über die Entstehungshintergründe des Streifens berichtet und ihre Vorstellung vom  Filmemachen erläutert.

                                                                                                                                                  Donnerstag, 07. November 2013, um 19.30 Uhr im Johann Rist Gymnasium (Wedel, Am Redder )

                                                                                                                                                                       (PJ)

 

                                                                                                                                                                                                                              

                                                                                                                                                                                    KiWI im Oktober

 

Der besondere Amerikaner: John Huston ( 1906 – 87 )

 

John Huston kann mit Sicherheit als einer der bedeutendsten US-Regisseure des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden. Über fünf Jahrzehnte hat er eine unübersehbare filmische Spur hinterlassen, hat Kino-Meilensteine gesetzt, Stile geprägt und diverse Darsteller-Legenden in ihren Superstar-Status gehebelt.

                                                                                                                                                              Er gab den Startschuss für eine ganze Filmgattung, die Schwarze Serie, mit „Die Spur des Falken“(1941), einem finsteren Film ohne Happy-End und mit Bogard als klassischem Detektiv-Zynikus.

                                                                                                                                                            Mit „Der Schatz der Sierra Madre“(1948) und „African Queen“ (1951) hat Huston die Mütter aller Abenteuerfilme geschaffen, in denen nicht nur Kanonen, Karambolagen und Kloppereien den Zuschauer beuteln, sondern in denen sich die Action auch im Seelen-Clinch und Charakter-Crash niederschlägt.

                                                                                                                                                           Mit „Moby Dick“ (1958) ist ihm eine faszinierende Adaption des komplexen Melville-Romans gelungen, deren filmsprachliche Elemente sich in fast jeder Bearbeitung des „Mensch-gegen-Natur-Motivs“ wiederfinden….besonders begeistert davon sind offenbar die deutschen Fernsehsender, deren jährliche Weihnachts- und Osterprogramme nicht ohne den Weißen Wal auskommen.

                                                                                                                                                   Ziemlich schwer, sich auf wenige Werke von Meister John zu beschränken, aber erinnert sei noch an den Film „Misfits“(1961), in dem er Marilyn Monroe`s schauspielerische Stärken hervorzaubert, und an „Die Ehre der Prizzis“ (1985), eine Art Gegenmodell zu Der Pate mit einem Jack Nicholson, der als haifischlächelnder Killer die Szene beherrscht.

                                                                                                                                           Gestandene Western-Fans haben mit Sicherheit „Das war Roy Bean“(1973) gesehen, in dem Huston – und das ist typisch für ihn – den Mythos des edlen Gesetzesbewahrers in den Pioniertagen der USA zynisch zerlegt.

                                                                                                                                                               Walfang und WildWest, Mord und Mafia auf der einen Seite, Sozialkonflikt und Seelenschmerz auf der anderen.

Das muss man erst mal können.

                                                                                                                                                                  KiWi ehrt den Großen Meister daher mit seinem Themen-Treff im Oktober.

 

 ( PJ 09/13)

 

Kino mit Schleier und Shador 

Treff im September: Der Film im Iran

Ein KiWI-Blick in eine fremde Kultur mit den kritischen Augen einer informierten und engagierten Filmemacherin:

Das kulturelle Leben im Iran der Ajatollahs erschließt sich uns nicht vollständig. Welche Freiheiten haben die dortigen Filmemacher heute, welche Themen werden kultiviert?

Die Islamische Revolution hat die bis dahin westlich orientierten Elemente der iranischen Kultur – besonders in der Filmlandschaft – in den 80er Jahren radikal verändert. Nach den gesellschaftlichen Umwälzungen der letzten Jahrzehnte befindet sich heute vorrangig „politisch Korrektes“ und kommerziell Orientiertes unter den wirtschaftlich erfolgreichen Produktionen des Iran. Wegen des bestehenden Verbots von Filmen aus der nicht-islamischen Welt werden ausländische Streifen nicht in den Kinos gezeigt, jedoch laufen stark zensierte Versionen von klassischen und auch aktuellen Hollywood-Produktionen zeitweilig im staatlichen Fernsehen.

Die regimekritische Regisseurin Shirin Neshat hat ihre Zeit im Iran in einer Romanverfilmung verarbeitet, die im Mittelpunkt unseres Workshops steht.

Termin und Ort: Donnerstag, 12.09.2013, um 19.30 Uhr in der Volkshochschule Wedel, ABC-Straße 3

 

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Kurosawa, Godzilla & Co…..

Kino in Japan – Thema des nächsten KiWI-Treffs am Donnerstag, 15. August.

Vielen fällt beim Thema „Japanischer Film“ zuerst dessen scheinbar übergroße Bandbreite ein: Hier die hohe Filmkunst eines Akira Kurosawa oder eines Kenji Mizoguchi, dort die schrillen Monsterstreifen mit der Riesenechse Godzilla oder trivial verfilmte Manga-Comics. So ungewöhnlich ist das aber gar nicht, denn jedes Filmland vollführt einen Spagat zwischen cineastischem Anspruch und trashigem Kommerz.

Die gewaltige Japanische Filmindustrie hat eine lange Geschichte und ihre bedeutendsten Werke haben seit den 50er Jahren immer wieder die westliche Kinokultur beeinflussen können. Western-Fans wissen, dass „Die glorreichen Sieben“ oder „Für eine Handvoll Dollar“ quasi Remakes von Kurosawa-Filmen sind, in denen die Tradition des Samurai beschworen wird. Eine moderne filmische Spielart altjapanischer Geistergeschichten sind 90er-Jahre-Produktionen wie „The Call“ oder „Dark Water“, die ebenfalls aufgrund ihres Erfolges prompt von Hollywood adaptiert und nachverfilmt worden sind. Keine Pixar-Animationsfilme ohne den Einfluss aus Fernost und selbst „Star Wars“ von George Lucas geht in seiner Handlung auf einen japanischen Film-Mythos zurück. 

Vieles im japanischen Kino ist nur vor dem Hintergrund japanischer Soziologie und Kulturgeschichte zu verstehen und selbst die belächelten Godzilla-Schmonzetten, in denen Schauspieler in Monsterkostümen immer wieder durch ein Miniatur-Japan taumeln und alles plattwalzen, haben einen hoch spezifischen Entstehungshintergrund.

Was kennzeichnet also den Japanischen Film? Hat er eine besondere Sprache, besondere Formen des Ausdrucks, zentrale Inhalte?

Wir machen am 15. August den Versuch einer Annäherung:

Denis Scheither und Marald Milling, die das „Japan-Filmfest“ in Hamburg ( Mai 2013 ) mitgestaltet haben, werden anhand dreier japanischer Regie-Größen und ihrer Werke Wesentliches zur Entwicklung und Ausdrucksform des Kinos im „Reich der Sonne“ vermitteln.

Wie keine anderen Filmemacher haben Sie das „Goldene Zeitalter“ des japanischen Kinos der 1930er bis 1960er Jahre geprägt. Ganze Generationen japanischer Regisseure orientierten sich an ihrem Vorbild, an ihrer besonderen Ästhetik und Filmsprache.  

Mizoguchi stellte in seinen großen Dramen die unter sozialen Missständen leidende japanische Frau in den Mittelpunkt seines Schaffens.

Kurosawa wurde international vor allem als Meister des Jidai-Gekis, des japanischen Historienfilms, bekannt und ist durch die Dynamik seiner Filmsprache der kommerziell erfolgreichste und im Westen bekannteste der Drei.

Ozu gilt durch seine bedächtige Erzähltechnik und die Wahl speziell japanischer Alltagssujets als für den europäischen Kinogänger weniger zugänglich als Mizoguchi und Kurosawa.

Anhand beispielhafter Ausschnitte stellen wir ihr filmisches Schaffen vor.

Termin und Ort: Donnerstag, 15. August, um 19.30 Uhr in der Wedeler Volkshochschule, ABC-Straße 3

(PJ, MM 08/13)